Tageszeitung junge Welt

12.01.2007 / Feuilleton / Seite 12


DVD mit Dynamit

»Loose Change« gibt’s auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz kostenlos – und damit einen kleinen Leitfaden für die revolutionäre Praxis

Jürgen Elsässer

Loose Change« ist ein Videofilm von Amateuren, den man im Internet kostenlos herunterladen kann. Deshalb neigt manch einer vielleicht dazu, den Film zu unterschätzen. Was sollte man aus einem Billigvideo schon erfahren, was man nicht schon aus den zahlreichen Büchern über den 11.9.2001 kennt? Warum sollte man sich zwei Stunden lang verwackelte Bilder anschauen?

Solche Vorurteile blamieren sich schnell nach den ersten paar Minuten. Der Film ist professionell gemacht und politisches Dynamit. Seine besondere Überzeugungskraft entwickelt er dadurch, daß er – und das kann kein Buch – Originalsequenzen von den großen US-Fernsehsendern CNN, CBS und Fox News als Beweismaterial verwendet. Alles, was da verwackelt ist, ist nur deswegen verwackelt, weil die Reporter in dem Augenblick auf Sendung waren, als hinter ihnen das World Trade Center kollabierte oder die Flammen aus dem Pentagon herauszüngelten. Die Amateure, die zu Wort kommen und sich verhaspeln, sind die Opfer und die Helden der Katastrophe: Zum Beispiel Feuerwehrmänner, die gerade von den Twin Towers zurückkommen und berichten, wie sie Bombenexplosionen gehört haben – was für eine kontrollierte Sprengung der Türme sprechen könnte.

Viele Widersprüche der offiziellen 9/11-Theorie (»Ali Osama und die 19 Räuber«), die in der späteren Berichterstattung geglättet wurden, sind in den TV-Sequenzen unmittelbar nach dem Inferno noch offen zu besichtigen. Man weiß aus den Büchern von Thierry Meyssan, daß das Loch im Pentagon eventuell zu klein war, als daß es von einer großen Passagiermaschine hätte stammen können. In »Loose Change« wird nun auch das Rätsel gelöst, woher denn eine Cruise Missile hätte kommen können: Ein Reporter steht vor den noch rauchenden Trümmern und berichtet von einer Herkules C-130 und einem silbernen Jet, die er kurz nach dem Einschlag über Washington gesehen hat – trotz eines totalen Flugverbotes seitens der US-Luftfahrtbehörden. Oder nehmen wir die vierte Maschine, die angeblich in Shanksville nach einem Aufstand der Passagiere abgestürzt ist: Gerhard Wisnewski hat behauptet, daß an der Unglücksstelle keine Trümmer gefunden wurden. Aber wo zum Teufel soll dann das entführte Flugzeug verschwunden sein? Im Film erfährt man es: Im nahegelegenen Cleveland ist sie kurz nach dem angeblichen Crash in Shanksville gelandet, die Fluggesellschaft selbst hat sie anhand ihrer Flugnummer identifiziert.

So geht es weiter, Schlag auf Schlag. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Würde man das alles nur lesen, würde man abwinken: Verschwörungstheorie. Aber es sind die Bilder, die überzeugend wirken: Bilder aus den Mainstreammedien, schnell gesendet und schnell vergessen.

Wer diesen Film gesehen hat, kann den Lügen des Kapitalismus nicht mehr glauben. Deswegen wurde wohl seine öffentliche Aufführung in der Berliner Humboldt-Universität im letzten Jahr mit fadenscheinigen Begründungen verboten. Aber so leicht sind wir nicht zu stoppen: Eine Gruppe von Aktivisten hat mit der kostenlosen Verteilung der DVDs in Berlin begonnen, und jeder Besucher der RL-Konferenz am Sonnabend kann eine am Stand der jW erhalten. Damit sind eigentlich die weiteren Schritte klar: Zum 11. September 2007 findet – wie letztes Jahr in New York – ein Schweigemarsch auch in Berlin statt: ernst, würdevoll, ohne Haß und Polemik, ohne Reden und Parteipolitik. Alle Teilnehmer tragen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift: »9/11 – Aufklärung jetzt!«. Vor der nächsten Bundestagswahl läßt die Linkspartei 20 Millionen DVDs pressen. Jedes ihrer 20000 Mitglieder im aktiven Alter verteilt 1000 Stück – so lassen sich alle bundesdeutschen Haushalte erreichen. Auf dem Beipackzettel steht: »Überzeugen Sie sich selbst: Der Antiterrorkrieg der USA wurde mit einer Lüge begründet. Deswegen dürfen deutsche Soldaten an diesem Krieg nicht länger teilnehmen und müssen alle US-Stützpunkte auf deutschem Boden geschlossen werden.« Das müßte zu schaffen sein, oder?