26.07.2005 / Ausland / Seite 2
Immer mehr Briten erkennen einen Zusammenhang zwischen dem
»Krieg gegen Terror« und den Terroranschlägen auf das Londoner
Verkehrssystem. Nach einer am Montag von der Zeitung Daily Mirror
und dem Fernsehsender ITV veröffentlichten Umfrage sind
inzwischen 85 Prozent der Briten davon überzeugt, daß die
Bombenattentate mit der Beteiligung ihres Landes am US-geführten
Einsatz im Irak zu tun haben. Nach den ersten Anschlägen am 7.
Juli mit 56 Toten hatten nur 64 Prozent der Briten einen
Zusammenhang mit dem Irak-Krieg gesehen. Aktuell teilen noch
zwölf Prozent der Briten die Auffassung von Premier Anthony
Blair, die Attentate hätten mit der Krise im Irak nichts zu tun.
Indes ging am Montag die Debatte um den Mord am 27jährigen
Brasilianer Jean Charles de Menezes weiter. Freunde und
Angehörige des Toten, den die Londoner Polizei am Freitag
»irrtümlich erschossen« hat, äußerten Zweifel an der
Darstellung von Scotland Yard. »Mein Cousin ist kaltblütig
ermordet worden«, sagte Alex Alves Pereira, der mit dem
27jährigen in der britischen Hauptstadt gelebt hatte. Die
Ermittler hätten »eine unverantwortliche Haltung gegenüber
einem unschuldigen Menschen« an den Tag gelegt. Pereira hatte
seinen Cousin nach den Todesschüssen Berichten zufolge in der
Leichenhalle identifiziert.
Ein Kollege von Menezes, Gesio de Avila, sagte, der junge Mann
habe ihn am Freitag morgen mit dem Mobiltelefon angerufen, als er
den U-Bahnhof Stockwell betreten habe, und ihm gesagt, daß er
sich ein wenig verspäten werde. »Wenn er gelaufen ist, dann
einfach deshalb, weil er spät dran war.« Die Polizei hatte nach
den tödlichen Schüssen erklärt, die Fahnder hätten auf
Menezes geschossen, weil er ihre Anweisungen nicht befolgt habe.
Augenzeugen berichteten, daß die Polizisten den Mann durch den
U-Bahnhof im Süden Londons verfolgt und schließlich aus
nächster Nähe mit fünf Kopfschüssen getötet hätten. Die
britische Polizei hatte am Samstag mitgeteilt, daß Menezes
nichts mit den Anschlägen zu tun hatte, und die »Tragödie«
bedauert.
(AFP/AP/jW)