23.05.2005 / Ausland / Seite 3
Die spanische Zeitung El Mundo hat einen weiteren Spitzel
enttarnt, der in die Anschläge vom 11. März 2004 in Madrid
verstrickt ist. Maussili Kalaji ist Palästinenser mit syrischem
Paß. Er kam als politischer Flüchtling 1981 nach Spanien,
erhielt 1984 die Staatsbürgerschaft und trat 1989 in die
Nationalpolizei ein. Er besitzt den Telefonladen, in dem die
Handys freigeschaltet worden sein sollen, die zum Zünden der
Bomben dienten. Sie waren an anderer Stelle gekauft worden und
nur für den Dienst einer Telefonfirma vorgesehen.
Laut El Mundo vom Wochenende ist in einer Wohnung, die ein
Polizeigutachten als »neuralgischen Treffpunkt« der Attentäter
nennt, ein offizielles Dokument des Polizisten gefunden worden.
Sie gehört den syrischen Brüdern Mouhannad und Moutaz Almallah,
die wegen der Anschläge im Knast sitzen und zu denen Kalaji
regen Kontakt hatte. Diese Islamisten soll Kalaji, Exmitglied der
Fatah, aus palästinensischen Ausbildungslagern kennen. Er sei
der »spanische Beamte, der am besten über islamistische Zellen
in Europa Bescheid weiß«. Nach den nicht dementierten Berichten
wäre er direkt in die Anschläge auf die Vorortzüge in der
spanischen Hauptstadt verwickelt, die vor einem Jahr 192 Menschen
das Leben kosteten.
Kalaji ist kein Einzelfall. Diverse Spitzel der Nationalpolizei
hatten den Sprengstoff für 3/11 geliefert, der über einen
Spitzel der Guardia Civil an die Islamisten ging. Vor den
Sprengstoffdeals hatte ein weiterer Guardia-Civil-Spitzel
gewarnt, ein darüber aufgezeichnetes Band verschwand. Das Band
dokumentiert auch, wie sich die Sprengstoffdealer nach dem
Know-how erkundigten, um Handys zu Bombenzündern umzubauen.
Außerdem hatten wahrscheinlich Agenten des Geheimdienstes CNI
Kontakte zum Zirkel der Attentäter.
Die Schwester des jetzt enttarnten Kalaji hat Telefonate der
Verschwörer übersetzt und ihre Vorgesetzten ausdrücklich vor
einem gewissen Sherhane Ben Fakhet gewarnt, so ihre Angaben
gegenüber El Mundo. Fakhet hat sich im April 2004 zusammen mit
anderen Tatverdächtigen in die Luft gesprengt, um einer
Verhaftung zu entgehen.