Tageszeitung junge Welt

20.10.2005 / Ausland / Seite 2


Terrortruppe im NATO-Gebiet

KFOR bestätigt Berichte über bewaffnete Gruppe im Kosovo

Rüdiger Göbel

Im Kosovo wiederholt sich die Geschichte. Sechs Jahre nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien sorgt in der südserbischen Provinz wieder eine albanische Untergrundgruppe für Unruhe. Mehrfach schon sollen bewaffnete Männer nachts im Westen und Osten der von NATO-Truppen kontrollierten Region Checkpoints an Straßen errichtet haben. Der deutsche Oberstleutnant Siegfried Jooß, Sprecher der NATO-geführten Kosovotruppe (KFOR), bestätigte in der Provinzhauptstadt Pristina am Dienstag entsprechende Medienberichte. KFOR-Kommandeur Giuseppe Valotto betonte allerdings, die »illegalen Aktionen einzelner Männer« stellten keine Gefahr für die allgemeine Sicherheitslage dar. Ihr Auftreten indes ist dreist und provokativ: An den illegalen Kontrollposten sollen die albanischen Gewaltseparatisten, die sich jetzt »Armee für ein unabhängiges Kosovo« (UPK) nennen, selbst ein KFOR-Fahrzeug gestoppt haben.

Serbischen Zeitungen zufolge verfügt die UPK bisher über rund 400 Kämpfer. Sie könne in den kommenden Monaten aber bis zu 5000 Mann rekrutieren. In einem »Communiqué Nr.1« drohten die Untergrundkämpfer unter anderem die Entführung von UN-Mitarbeitern im Kosovo an. Ihr Vorgehen erinnert an die »Kosovo-Befreiungsarmee« UCK, die Ende der 90er Jahre mit Terroraktionen die serbischen Sicherheitskräfte in der Provinz provozierte und schlußendlich den Grundstein für die NATO-Angriffe 1999 legte.

Das neuerliche Auftreten der Untergrundtruppe gegen die Ordnungsmacht in der Provinz kommt nicht von ungefähr. Noch in diesem Monat sollen im UN-Sicherheitsrat in New York Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo beginnen. Die Provinz ist seit Ende des illegalen NATO-Krieges im Juni 1999 von Truppen des Nordatlantikpaktes besetzt und wird von den Vereinten Nationen verwaltet. Die albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo fordert die Unabhängigkeit der Region. Der Großteil der nichtalbanischen Bevölkerung wurde nach dem NATO-Einmarsch vertrieben.

In der UNO sorgt derweil ein Bericht der internen Überwachungsbehörde OIOS für Furore, der massives »Fehlverhalten von UN-Personal« beklagt. Während einer 18monatigen Untersuchung im Kosovo wurde eine »ausufernde Korruption« in zahlreichen staatlichen Unternehmen, vor allem auf dem Energiesektor, festgestellt.

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