Tageszeitung junge Welt

17.11.2005 / Ausland / Seite 7


Aufklärung blockiert

Streit in Madrider Regierung. Offenbar wenig Interesse an Untersuchung geheimer CIA-Flüge im spanischen Luftraum. Auch EU hält sich bedeckt

Knut Mellenthin

Mitglieder der Madrider Regierung haben widersprüchlich auf Berichte reagiert, daß spanische Flughäfen als Stützpunkte für geheime Aktivitäten der CIA im »Krieg gegen den Terrorismus« dienen. Entschieden ablehnend äußerte sich Innenminister José Antonio Alonso. Es handele sich um eine »sehr ernste Angelegenheit«. Sollten sich die Berichte bewahrheiten, würde es sich um Taten handeln, »die in keiner Weise toleriert werden können«, so der Minister.

Verteidigungsminister José Bono hingegen nahm die US-Regierung in Schutz. Es gebe keine Beweise für illegale Aktivitäten der CIA. Er sei nicht bereit, »aufgrund von Verdächtigungen oder Gerüchten« eine befreundete und verbündete Regierung an den Pranger zu stellen. Bono dementierte eine Meldung der Tageszeitung El Pais, wonach der spanische Geheimdienst CNI die CIA gebeten habe, »Spanien nicht für illegale Tätigkeiten zu benutzen.«

Der Pressesprecher des US-Außenministeriums, Adam Ereli, erklärte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, seine Regierung sei von Spanien nicht um Informationen über die Angelegenheit gebeten worden. Damit bestätigte Ereli den Verdacht, daß maßgebliche Teile der spanischen Regierung nicht an einer Aufklärung interessiert sind. Nach Ermittlungen der Guardia Civil haben Charterflugzeuge der CIA mindestens zehnmal den Flughafen von Palma de Mallorca als Drehscheibe für Gefangenentransporte benutzt. Es handelte sich dabei um angebliche »Terroristen«, die in geheime Haftanstalten der CIA außerhalb der USA gebracht werden. Solche Gefangene haben keinerlei Rechte, nicht einmal ihr Verbleib ist bekannt. Ein wesentlicher Zweck dieser Geheimgefängnisse ist die völlig unkontrollierte Anwendung der Folter. Neben der Mittelmeerinsel Mallorca wurde nach spanischen Pressemeldungen auch der Flughafen Reina Sofia auf der Kanareninsel Tenerifa mindest viermal für Geheimflüge der CIA benutzt.

Wie die spanische Regierung scheint auch die EU nicht wirklich an einer Klärung des Sachverhalts und einer Unterbindung illegaler Aktivitäten interessiert zu sein. Dem Bericht der Washington Post vom 2. November über eine geheime CIA-Haftanstalt in einem osteuropäischen Land soll nicht weiter nachgegangen werden. Die zuständige Justizkommission der EU will sich damit zufrieden geben, daß alle Mitglieds- und Kandidatenstaaten die Existenz einer solchen Anlage auf ihrem Boden bestritten haben. Eine Anfrage an die US-Regierung, sich zu den Vorwürfen zu äußern, wurde offenbar nicht gestellt.

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