15.09.2005 / Ansichten / Seite 8
Die neuesten Erkenntnisse des BND lassen aufhorchen. Demnach
gibt es »ein intaktes Netzwerk der Terrororganisation Al Qaida
auf dem Balkan«. Dabei geht es nicht nur um das Kosovo. Noch
gefährlicher müssen die Strukturen in Bosnien sein, wohin laut
BND die Bombenleger von Madrid ebenso wie auch einige der
Londoner Attentäter »Kontakte« hatten. Der deutsche
Geheimdienst verweist etwa auf Abu Al Maali, einen
Mudschaheddin-Kommandanten aus dem bosnischen Bürgerkrieg mit
direkten Verbindungen zu Bin Laden. Er sei mittlerweile in die
ex-jugoslawische Republik zurückgekehrt und habe dort »sichere
Zuflucht« gefunden.
Die deutsche Expertise richtet sich insbesondere gegen den
britischen Geheimdienst MI 6. Dessen zumindest ehemaliger
Mitarbeiter Paddy Ashdown regiert heute als internationaler
Hochkommissar mit diktatorischen Vollmachten über
Bosnien-Herzegowina. Während er den sogenannten serbischen
Nationalismus unbarmherzig verfolgt und einige Hundertschaften
pausenlos mit der Fahndung nach dessen Gallionsfiguren
beschäftigt, läßt er muslimische Terroristen wie Al Maali
freie Hand. Knapp 3 000 ausländische Gotteskrieger sollen sich
mittels bosnischer Pässe dauerhaft im Land niedergelassen haben.
Doch es geht nicht nur um Sarajevo, sondern auch um London. Die
britischen Behörden haben Erkenntnisse, wonach die Bomben des 7.
Juli mit Plastiksprengstoff aus Bosnien gebaut wurden, schnell
heruntergespielt. Daraufhin hat John Loftus, ein ehemaliger
US-Bundesstaatsanwalt und Geheimdienstspezialist, im
super-patriotischen Fernsehsender Fox nachgelegt und behauptet,
der als Drahtzieher des Metro-Terrors Verdächtige, ein gewisser
Haroon Rashid Aswat, habe für den MI 6 gearbeitet. Loftus
wörtlich: »Was wirklich bestürzend ist, daß die ganze
britische Polizei draußen ist und ihn jagt, und ein Flügel der
britischen Regierung, MI 6 oder britischer Geheimdienst, hat ihn
versteckt.« Und weiter: »Glauben Sie es oder nicht, der
britische Nachrichtendienst hat tatsächlich einige
Al-Qaida-Jungs angeheuert, die bei der Verteidigung muslimischer
Rechte in Albanien und im Kosovo mithelfen sollten ... Die CIA
finanzierte die Operation zur Verteidigung der Muslime, der
britische Nachrichtendienst kümmerte sich um die Anwerbung.«
Was vom BND jetzt durchgesickert ist, geht nicht so weit, aber in
dieselbe Richtung. Kolportiert wurde es vom
Investigativjournalisten Udo Ulfkotte, bei dem aber auch schon
einmal der Staatsschutz Razzia gemacht hat. Offensichtlich gibt
es einen Krieg nicht nur zwischen den, sondern auch innerhalb der
Geheimdienste.