15.09.2005 / Ausland / Seite 1
Die endgültige Abspaltung des Kosovo von Serbien rückt immer
näher. Am nächsten Dienstag wird sich die sogenannte
Kosovo-Kontaktgruppe mit dem Schicksal der Provinz beschäftigen,
die seit dem Rückzug der jugoslawischen Armee im Sommer 1999 von
den Vereinten Nationen verwaltet wird und von der NATO-geführten
Schutztruppe KFOR besetzt ist. Die rein albanische Regierung in
Pristina, der ein Mitglied der nur auf dem Papier aufgelösten
Untergrundorganisation UCK als Premier vorsteht, drängt auf
Unterstützung für die Ausrufung der Unabhängigkeit. Nun wird
erwartet, so berichtete die Frankfurter Rundschau am Mittwoch,
daß die informelle Körperschaft aus Vertretern der USA,
Rußlands, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und
Italiens »am Dienstag wenigstens inoffiziell ihr Ja spricht«.
Die Meldung gewinnt an Plausibilität, weil Soeren
Jessen-Petersen, UN-Gouverneur in Pristina, ebenfalls gestern
verlautbaren ließ, »daß die Provinz dem Erreichen ihrer Ziele
niemals näher war«. Leon Kojen, Berater des serbischen
Präsidenten Boris Tadic, reagierte scharf: »Die Ziele der
albanischen Mehrheit in der Provinz, die Petersen offensichtlich
im Sinn hat, sind nicht die Ziele der serbischen Gemeinschaft,
und die Einheit, auf die er sich bezieht, schließt
offensichtlich Serben und andere Nicht-Albaner nicht ein.« Seit
dem Einmarsch der NATO im Juni 1999 sind knapp 250000 Angehörige
der Minderheitengruppen von albanischen Nationalisten aus dem
Kosovo vertrieben worden.
Aber nicht nur in Belgrad fürchtet man die Unabhängigkeit des
Kosovo. Auch in Kreisen des Bundesnachrichtendienstes (BND) hält
man den Balkan, »vor allem Bosnien und das Kosovo«, für eine
»kaum beobachtete gefährliche Brutstätte für islamische
Terroristen. »Nach Angaben aus westlichen Sicherheitskreisen
sprengten sich im Kosovo unlängst zwei junge Muslime
versehentlich in die Luft, als sie ein zur ferngesteuerten Bombe
umgebautes Mobiltelefon testen wollten«, referierte die
Nachrichtenagentur ddp am Montag Erkenntnisse des BND. Mitte
August war in Belgrad außerdem Abdelmajid Bouchar festgenommen
worden. Der ehemalige Bosnien-Kämpfer befand sich auf dem Weg
nach Südserbien und ins Kosovo. Die spanischen Behörden
verdächtigen ihn, die Bomben der Terroranschläge am 11. März
2004 in Madrid gebaut zu haben.