12.12.2005 / Feuilleton / Seite 13
Es geschehen noch Zeichen und Wunder, manchmal sogar zur
besten Sendezeit. Vor einigen Tagen spielte sich auf
US-amerikanischen Mattscheiben wahrhaft Ungeheuerliches ab. In
ihren Primetime-News, abends um zehn, brachte die private
TV-Station FOX40 einen Beitrag, der die offizielle
Geschichtsschreibung zu den Terrorattacken vom 11. September 2001
unverhohlen als Ammenmärchen entblößt. Der etwa
siebenminütige Bericht handelte von der Filmdokumentation
»Loose Change« dreier Studenten der State University of New
York. Ihre These: Die Anschläge von New York und Washington
gehen nicht auf das Konto durchgeknallter Islamisten, sondern
sind das Werk der Bush-Administration und ihr verbundener
Geheimdienstkreise.
Pflänzchen-Alarm
Gleich an zwei Abenden in Folge wurden nichtsahnende US-Bürger
mit Informationen behelligt, die bis dahin nur
»Verschwörungstheoretiker« kannten. Zu sehen waren Sequenzen
von brennenden Zwillingstürmen, an deren Fassaden kurz vor dem
Einsturz an mehreren Stellen und im Abstand von
Sekundenbruchteilen Verpuffungen zu erkennen sind, die wie
Explosionen anmuten. Außerdem Aufnahmen des Pentagon mit einem
Einschlagloch, dessen Ausmaße nicht annähernd an die Spannweite
einer Verkehrsmaschine heranreichen. Fast noch bemerkenswerter:
Die Szenen waren über weite Strecken mit dem O-Ton der
Filmautoren unterlegt. Dazu kein einziges Wort der Kritik, des
Zweifels oder der Distanzierung durch den Berichterstatter. Im
Gegenteil: Am Ende des Beitrags rief der Reporter unter Nennung
der Homepage www.loosechange911.com sogar zum Kauf des Films auf.
Mit »Loose Change« übersetzt etwa »Beginnender
Wandel« könnten die Filmemacher Dylan Avery, Korey Rowe
(beide 22) und Jason Bermas (27) ein Massenpublikum erreichen.
Dank FOX40. Der Ableger des riesigen TV-Networks FOX sendet aus
dem 50 000-Seelen-Städtchen Binghamton im Bundesstaat New York.
FOX steht im Ruf, stets den Bushisten die Stange zu halten.
Offenbar hat sich die Firmenphilosophie aber nicht bis nach
Binghamton herumgesprochen. Wie sonst ist es zu erklären, daß
ein der nationalen Einheit verschriebener TV-Sender den
Herrschern in Washington derart in die Suppe spuckt?
Selbst im fernen Deutschland können Zweifel an der offiziellen
9/11-Version nur bei Strafe medialer Ächtung gehegt werden.
Filmemacher und Buchautor Gerhard Wisnewski handelte sich für
seine Fernsehdokumentation »Aktenzeichen 11. 9. ungelöst« ein
Berufsverbot beim WDR ein. Wegen ihrer Bestseller zum 11.
September versuchte der Spiegel, Wisnewski, Mathias Bröckers und
Andreas von Bülow mit einem unsäglichen Pamphlet zu Outcasts zu
stempeln. Seither ist die Akte 9/11 in deutschen Redaktionsstuben
zwar unter Verschluß, die »Verschwörungsschmöker« finden
aber weiterhin reißenden Absatz. Vielleicht ist der Fall FOX40
ein Indiz dafür, daß das System der medialen Selbstzensur nicht
in alle Ewigkeit funktioniert das zumindest glaubt
Wisnewski. Er sei »vollkommen platt, daß der
US-Mainstreamsender total offensiv und unbefangen mit dem Thema
umgegangen ist«, gab er sich gegenüber jW erfreut. Einzelne
Journalisten ließen sich offenbar nicht mehr so einfach
kontrollieren. Wisnewski: »Unter dem Meinungsbeton der
Mainstreammedien wuchert die Wahrheit. Ein Pflänzchen nach dem
anderen findet den Weg an die Oberfläche.«
Verschwörung für alle
Tatsächlich haben die 9/11-Skeptiker in den USA zum nunmehr
dritten Male binnen 13 Monaten den Durchbruch in den Mainstream
geschafft. Im November 2004 machte Kevin Ryan von sich reden,
Mitarbeiter der Underwriter Laboratories, die den Stahl für den
Bau des World Trade Centers geprüft und zertifiziert hatten. In
einem Brief an das mit der Untersuchung der Einsturzursache
betraute National Institute of Standards and Technology (NIST)
schrieb er, »die Gebäude hätten der Hitzebelastung durch
brennendes Flugbenzin leicht widerstehen können«. Auch das NIST
hatte zuvor per metallurgischem Test festgestellt, daß die
meisten der Stahlelemente nur einer Hitze von 250 Grad Celsius
ausgesetzt waren und nicht, wie das Institut später behauptete,
»weich wurden und sich bogen«. Die New York Times berichtete
seinerzeit, das NIST wolle Erkenntnisse geheimhalten.
Unlängst durfte der namhafte Physiker Steven E. Jones von der
Brigham Young University in Utah in einer NBC-Sendung seine
Überzeugung kundtun, die WTC-Türme seien nicht als Folge der
eingeschlagenen Passagiermaschinen eingestürzt. Das hatten vor
ihm schon andere behauptet. Aber noch nie hatte ein
Millionenpublikum davon gehört, und schon gar nicht davon, daß
der WTC-Komplex mit einer kontrollierten Sprengung zum Einsturz
gebracht worden sei. Eben zu diesem Ergebnis gelangt eine
umfassende Expertise, mit der Jones nicht nur unter
»Konspirologen« für Aufsehen gesorgt hatte. Sein Auftritt bei
NBC diente deshalb nicht unbedingt der Wahrheitsfindung. Vielmehr
versuchte Moderator Tucker Carlson, seinen Studiogast in die
Spinnerecke zu schieben. Mit mäßigem Erfolg: Nach der Sendung
sei er von Mails und Anrufen überschüttet worden, mit denen
sich Zuschauer für den Mut bedankt hätten, das Thema
aufzugreifen, wird Carlson zitiert.
Über eine gewaltige Resonanz wundern sich jetzt auch die Macher
von FOX40. Sie seien auf das nationale Interesse an ihrem Bericht
zu »Loose Change« nicht gefaßt gewesen, heißt es auf der
Webseite des Senders (www.wicz.com). Statt der üblichen 1000 bis
1500 Zugriffe wären es jetzt weit über 15000 Hits pro Tag.
Gleich zwei Server seien unter dem Ansturm zusammengebrochen
ganz so schnell gehen Lügengebäude nicht zu Bruch.